Liebe Mitglieder und Freunde der Europäischen Bewegung Bayern e.V.,
Wir möchten Sie sehr herzlich zu einem Vortrag am 2. Dezember um 18:00 Uhr ins Münchner Künstlerhaus einladen.
Es spricht Prof. Dr. mult. Wolfgang A. Herrmann, der langjährige Präsident der Technischen Universität München.
Das Vortragsthema lautet: „Die europäische Universität im Aufbruch – Herausforderungen in einer veränderten Welt“.
Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr.
Wir bitten um Anmeldung bis zum 28. November 2025 an: dr.stefangross@web.de.
Einleitung Dr. Dr. Stefan Groß
Einführung zu Leben und Wirken von Prof. Dr. mult. Wolfgang A. Herrmann
Es gehört zu den seltenen Momenten akademischer Öffentlichkeit, in denen sich die Geschichte einer Institution in der geistigen Prägung einer einzelnen Persönlichkeit spiegelt. Wenn wir heute Prof. Dr. mult. Wolfgang A. Herrmann begrüßen und seine Tätigkeit in Forschung, Hochschulpolitik und europäischer Wissenschaftsgestaltung in den Blick heben, betreten wir einen Denkraum, in der intellektuellen Brillanz, institutionelle Gestaltungskraft und europäische Perspektive zu einer seltenen Einheit finden. Sein Weg steht exemplarisch für eine Epoche, in der die Technische Universität München – und mit ihr der Wissenschaftsstandort Bayern – eine tiefgreifende Erneuerung erfuhr.
Dass dieser Weg begann in Niederbayern. Herrmann, in Kelheim verwurzelt, entstammt einer Landschaft, in der Bodenständigkeit und geistige Entschlossenheit traditionell zusammengehören. Sein naturwissenschaftliches Talent entfaltete sich früh: Das Chemiestudium in München und Erlangen bildete die Grundlage; die Habilitation an der Universität Regensburg formte jene wissenschaftliche Präzision, die später zu prägenden Beiträgen in der Anorganischen und Organometallchemie führte. Zahlreiche Auszeichnungen, Berufungen und Akademiemitgliedschaften belegen die internationale Resonanz seines Forschungsprofils.
Doch die eigentliche Zäsur seiner Laufbahn liegt im Feld der Hochschulentwicklung. Mit seiner Wahl zum Präsidenten der Technischen Universität München im Jahr 1995 – in einer Phase, in der deutsche Hochschulen vielfach noch in den Mustern der Nachkriegszeit verharrten – leitete Herrmann einen strukturellen Wandel ein, der zu den tiefgreifendsten der jüngeren Universitätsgeschichte zählt. Er etablierte eine neue Vorstellung akademischer Selbststeuerung: strategisch, international ausgerichtet und im besten Sinn anspruchsvoll.
Seine bis 2019 währende Präsidentschaft – die längste in der bayerischen Hochschulgeschichte – führte die TUM in den Rang einer europäischen Spitzenuniversität. Neue Fakultäten entstanden, Forschungszentren wurden aufgebaut, internationale Programme entwickelt, und die Governance erhielt eine Modernität, die weit über Bayern hinausstrahlte. Die TUM ist die einzige Technische Universität, die den Titel Exzellenzuniversität seit 2006 durchgehend hält.
Hinzu tritt jener europäische Akzent, der Herrmanns Denken unverwechselbar macht. Wissenschaft war für ihn nie ein nationales Binnenprojekt, sondern ein transnationaler Resonanzraum, in dem Erkenntnis, historische Erfahrung und technologische Zukunftskraft sich gegenseitig tragen. Die Intensivierung der Partnerschaften mit Frankreich, Skandinavien, Großbritannien oder den Alpenregionen gehört ebenso in diesen Kontext wie der Aufbau der EuroTech-Universität, die zu den markantesten europäischen Kooperationsinitiativen ihrer Zeit zählt.
Ein weiteres Charakteristikum seiner Amtsführung war seine dialogische Begabung. Herrmann verstand die Universität nicht als Addition von Disziplinen, sondern als Ort geistiger Resonanz. Er brachte Ingenieure mit Philosophen, Naturwissenschaftler mit Ökonomen, Kulturwissenschaftler mit Technologen ins Gespräch – in der Überzeugung, dass Innovation nur dort Bestand hat, wo sie durch geistige Reflexion getragen wird. Damit griff er das Humboldt’sche Bildungsdenken nicht nostalgisch, sondern zeitgenössisch auf und setzte es in moderne Strukturen um.
Besonders hervorzuheben bleibt sein Fortschrittsbegriff: nie technokratisch verengt, sondern stets mit kultureller Verantwortung unterlegt. Die großen Zukunftsfelder – von Digitalisierung über Energie bis Biotechnologie – erschienen ihm als Orte, an denen sich technische Machbarkeit und gesellschaftliche Orientierung wechselseitig herausfordern. Sein Wirken zeigt, dass Wissenschaft erst dann zukunftsfähig wird, wenn sie sich ihrer kulturellen und zivilisatorischen Einbettung bewusst bleibt.
Wenn wir heute Prof. Herrmann begrüßen, begrüßen wir einen Wissenschaftsorganisator von europäischem Format; einen Forscher, der internationale Strahlkraft mit regionaler Verwurzelung verbindet; einen strategischen Kopf, der Veränderung nicht nur zulässt, sondern gestaltet; und einen Hochschulpolitiker, der Wissenschaft als zentrale Ausdrucksform einer aufgeklärten europäischen Identität versteht.
Die heutige Veranstaltung steht in diesem Horizont: Sie öffnet den Zugang zu einer geistigen Werkstatt, in der Wissenschaft zugleich Erkenntnis, Verantwortung und Zukunftsentwurf ist – jener Werkstatt, die Wolfgang A. Herrmann über Jahrzehnte geprägt hat.
Er spricht heute über das Thema „Die europäische Universität im Aufbruch – Herausforderungen in einer veränderten Welt“.
Mein außerordentlicher Dank gilt der musikalischen Gestaltung unter Leitung von Herrn Major Rudolf Piehlmayer. Es spielt das Bläserquintett des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch- Partenkirchen.
Text: Dr. Dr. Stefan Groß